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Auszug aus: WIRT­SCHAFTS­SCHUTZ & SI­CHE­RUNGS­TECH­NIK 12/97, Seiten 56-58

In­no­va­tio­nen benötigt - Von Ent­wick­lun­gen und Trends im Si­cher­heits­be­reich in Osteuropa und Deutsch­land

Dr. Lutz Viëtor: Der Haus­tech­nik­pla­ner hat heute bereits ganz normale Schwie­rig­kei­ten, der tech­ni­schen Ent­wick­lung seiner Stan­dar­d­an­la­gen zu folgen, wie soll er dann noch ohne Aus­bil­dung und Erfahrung die Si­cher­heit kon­zi­pie­ren und planen? Die ost­eu­ro­päi­schen Märkte wurden noch vor wenigen Jahren gezielt von deutschen Si­cher­heits­un­ter­neh­men der un­ter­schied­lichs­ten Aus­rich­tung in Angriff genommen - mit wenig Erfolg, wie es heute scheint. Dennoch konnten auch in diesen Märkten deutsche Un­ter­neh­men mit viel Fle­xi­bi­li­tät Fuß fassen.

W&S sprach vor diesem Hin­ter­grund mit Dr. Lutz Viëtor, Ge­schäfts­füh­rer der ISG mbH Berlin, einem Un­ter­neh­men, das bisher über­wie­gend in Osteuropa auch mit einem eigenen Toch­ter­un­ter­neh­men tätig war und jetzt den deutschen Markt verstärkt in Angriff nimmt.

Die heutige ISG mbH war bisher über­wie­gend in Osteuropa tätig und ori­en­tiert sich jetzt nach Ge­sell­schafts­ver­än­de­run­gen innerhalb des Un­ter­neh­mens auch verstärkt auf den deutschen Markt. Wie kam es zu dieser Ent­wick­lung? Die ISG mbH ist trotz längerer Präsenz auf dem Markt for­mal-ju­ris­tisch 1996 gegründet worden. Sie ging nach einem Ge­sell­schaf­ter­wech­sel unter Bei­be­hal­tung der Un­ter­neh­mens­ge­gen­stän­de der 1994 aus einem Be­wa­chungs­un­ter­neh­men aus­ge­grün­de­ten "alten" ISG hervor. Dieses Un­ter­neh­men war aufgrund ver­trag­li­cher Be­din­gun­gen damals aus­schließ­lich auf Osteuropa kon­zen­triert, und daraus re­sul­tie­ren die Schwer­punkt­ak­ti­vi­tä­ten in Osteuropa mit der bal­ti­schen Tochter mit Filiale in Vilnius/Litauen, zwei Au­ßen­stel­len und freien Mit­ar­bei­tern für den Si­cher­heits­ser­vice. Ak­ti­ons­fel­der sind hier Beratung, Planung, Pro­jek­tie­rung, Kom­plet­ter­rich­tun­gen und Ver­sor­gung, zunehmend mit an­gren­zen­den Ser­vice­leis­tun­gen im Bereich der Trans­port­si­cher­heit, und or­ga­ni­sa­to­ri­scher Dienst im Baltikum. Seit 1996 kon­zen­trie­ren wir uns zudem auf den deutschen Markt mit den Auf­ga­ben­schwer­punk­ten Beratung, Fach­pla­nung, Si­cher­heits­or­ga­ni­sa­ti­on, Bau­be­treu­ung und aus­ge­wähl­te Ser­vice­leis­tun­gen, u.a. Gutachten und Er­mitt­lun­gen für Ver­si­che­run­gen sowie Si­cher­heits­ser­vice mit Partnern. Hin­sicht­lich der weiteren Ent­wick­lung ist geplant, über pro­jekt­spe­zi­fi­sche Part­ner­schaf­ten mit anderen Un­ter­neh­men die Leis­tungs­fä­hig­keit der Un­ter­neh­mens­grup­pe zu steigern, um damit die not­wen­di­ge Fle­xi­bi­li­tät und Basis für in­no­va­ti­ve Si­cher­heits­lo­sun­gen zu haben. Hierbei nutzen wir modernste Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en wie das Internet etc. und schaffen damit ei­gent­lich ein "vir­tu­el­les Un­ter­neh­men".
  

Als Berater und Planer sind Sie trotz um­fang­rei­cher Er­fah­run­gen quasi ein "Newcomer" auf dem deutschen Markt. Wie be­ur­tei­len Sie die grund­sätz­li­che Situation "Ihrer" Branche? Die Si­cher­heits­be­ra­ter­bran­che in Deutsch­land ist schwer zu fassen. Ich denke, nach­fol­gen­de Ge­schich­te cha­rak­te­ri­siert die Situation gut: Im Jahre 1996 hatte der WDR für ein be­stimm­tes Thema mehrere Monate in Deutsch­land intensiv ge­ne­ra­lis­tisch ar­bei­ten­de Berater im Si­cher­heits­be­reich gesucht, um mich dann in Riga zu finden. In­ter­es­sant ist die danach ge­trof­fe­ne Fest­stel­lung der Jour­na­lis­ten, daß es in Deutsch­land wenig ge­ne­ra­lis­tisch ar­bei­ten­de Si­cher­heits­be­ra­ter gibt. Das deckt sich mit meiner Ein­schät­zung. Der Si­cher­heits­be­ra­ter in Deutsch­land ist ein über­wie­gend spe­zia­li­sier­ter Fach­be­ra­ter, der meist noch mit­tel­stän­disch und branchen- oder ge­gen­stands­ge­bun­den or­ga­ni­siert ist. Damit hat die Branche schon struk­tu­rel­le Probleme, modernen ge­ne­ra­lis­ti­schen Auf­ga­ben­stel­lun­gen gerecht zu werden. Um­stel­lun­gen im Sinne von Er­wei­te­run­gen der Pla­nungs­ba­sis, selbst wenn sie als Not­wen­dig­keit bereits erkannt werden, erfordern i.d.R. hohe In­ves­ti­tio­nen und un­ter­blei­ben deshalb vielfach. Das beginnt bereits mit den Kosten für die eigene Fort­bil­dung. Wer aber heute global ope­rie­ren­de Un­ter­neh­men bedienen will, muß selbst in­ter­na­tio­nal erfahren sein, und das kostet Jahre. Die ISG mbH z.B. ist ei­gent­lich erst nach sechs Jahren über­prüf­ba­rer Er­geb­nis­se und auch dem Be­wäl­ti­gen und Überleben von Krisen in Osteuropa wirklich anerkannt. Darüber hinaus haben Berater und Planer in Deutsch­land noch mit Ak­zep­tanz­pro­ble­men zu kämpfen. Heute verfügen jedes große Un­ter­neh­men und die Banken über erfahrene Si­cher­heits­pla­nungs­ab­tei­lun­gen, die in bezug auf die Vergabe an Private sehr zu­rück­hal­tend sind. Gerade Kon­zep­ti­ons- und Vor­pla­nungs­ar­bei­ten werden dort ab­ge­wi­ckelt. Dabei wäre eine stärkere In­an­spruch­nah­men externer Berater wün­schens­wert und das auch aus fach­li­cher Sicht. Das wurde sicher bestimmte fest­ge­fah­re­ne Wege und Ge­wohn­hei­ten zum Nutzen der Un­ter­neh­men und Banken öfter in Frage stellen und in­no­va­ti­ven Losungen die Tür öffnen. Bei Aus­schrei­bun­gen aus diesen Bereichen über­wie­gen Stan­dard­lo­sun­gen, teilweise versteckt oder offen mit Vorgaben der ein­zu­set­zen­den Technik, die wenig Spielraum für eigene Ideen bieten.
  

In Deutsch­land werden immer mehr in­te­grier­te Systeme rea­li­siert. Bieten sich damit neue Per­spek­ti­ven für Si­cher­heits­pla­ner und wie muß er mit Planern im Bereich der Haus­leit­tech­nik oder Ar­chi­tek­ten zu­sam­men­ar­bei­ten? Kommen wir zuerst zu den Ar­chi­tek­ten. Es ist schwer, Ar­chi­tek­ten zu mo­ti­vie­ren, sich mit Si­cher­heit aus­ein­an­der­zu­set­zen. Das mag ei­ner­seits an dem geringen In­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men für Si­cher­heit an einer Ge­samt­bau­sum­me liegen und an­de­rer­seits daran, daß Ar­chi­tek­ten i.d.R. mit Si­cher­heits­re­ge­lun­gen und -stan­dards kon­fron­tiert werden, die ihre Ziele kaum be­rück­sich­ti­gen. Hier muß der kon­struk­ti­ve Dialog seitens der Si­cher­heits­tech­nik ansetzen, und oft lassen sich prak­ti­ka­ble und auch in­no­va­ti­ve Losungen finden, die allen Belangen gerecht werden. In bezug auf die Haus­tech­nik­pla­ner ist die Situation komplexer. Ich bin überzeugt, daß die neuen Her­aus­for­de­run­gen im Bereich der in­te­grier­ten Haus­tech­nik absehbar zu Ver­än­de­run­gen führen werden. Bereits heute wird sichtbar, daß tra­di­tio­nel­le Planungen ohne in­no­va­ti­ve Konzepte immer öfter in eine Sackgasse führen. Die Fach­pla­ner "Haus­tech­nik" tun sich jedoch noch schwer, ihre Er­kennt­nis, daß Si­cher­heit nicht mehr wie bisher quasi nebenbei mit­ge­plant werden kann, oder Angebote der Her­stel­ler sich zur Vor- und Aus­füh­rungs­pla­nung um­ar­bei­ten lassen, in konkrete Vergaben oder Ko­ope­ra­ti­on um­zu­set­zen. Die Zukunft haben jedoch integrale Lösungen, also die stärkere Ver­knüp­fung ei­ner­seits der Si­cher­heits- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik zu ein­heit­li­chen Systemen und an­de­rer­seits der gesamten Haus­tech­nik zu einem Netz. Es geht nicht um die Be­wäl­ti­gung der rein tech­ni­schen Auf­ga­ben­stel­lun­gen. Notwendig ist eine Si­cher­heits­phi­lo­so­phie, deren Konzept die Si­cher­heits­be­dürf­nis­se konkret beachtet und sich in die Haus­tech­nik einordnet. Der Haus­tech­nik­pla­ner hat heute bereits ganz normale Schwie­rig­kei­ten, der tech­ni­schen Ent­wick­lung seiner Stan­dar­d­an­la­gen zu folgen, wie soll er dann noch ohne Aus­bil­dung und Erfahrung die Si­cher­heit kon­zi­pie­ren und planen? 
Eröffnen sich daraus nicht Per­spek­ti­ven für die Si­cher­heits­pla­ner? Der Ruf nach Fach­pla­nern für Si­cher­heits­sys­te­me sollte ei­gent­lich zunehmen, die Be­din­gun­gen für eine in­te­grier­te Fach­pla­nung liegen vor. Hin­der­lich sind die Tra­di­tio­nen und die Sorge der Haus­tech­nik­pla­ner, Aufgaben und damit Einnahmen zu verlieren. Auch die Auf­trag­ge­ber haben gern einen Partner, ak­zep­tie­ren jedoch auch zunehmend den Fach­pla­ner. Dieser muß al­ler­dings auch über fachliche Kompetenz verfügen, also über pla­ne­ri­sche Er­fah­run­gen, Schwach­strom­kennt­nis­se, Sys­tem­kennt­nis­se und natürlich vor­an­ge­stellt kon­zep­tio­nel­le Fä­hig­kei­ten. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
  

Sie sprachen an, daß in Deutsch­land meist nur Standard geplant wird und daß kaum Raum für in­no­va­ti­ve Konzepte ist. Bei einem eu­ro­pa­wei­ten Dis­coun­ter konnten Sie mit einem Über­wa­chungs­sys­tem neue Wege be­schrei­ten. Was cha­rak­te­ri­siert Ihr Konzept? Das unsere Lösung wirklich neu ist, glaube ich nicht. Viel­leicht erscheint sie heute aufgrund der Da­ten­schutz­an­for­de­run­gen und deren re­strik­ti­ven Aus­wir­kun­gen bei be­stimm­ten Si­che­rungs­auf­ga­ben nur unüblich. Es handelt sich bei dem Konzept - in­zwi­schen sind 80 Anlagen rea­li­siert - um eine offensive Ka­me­ra­über­wa­chung mit öf­f­ent­li­cher Aus­wer­tung. Ent­schei­dend war das Abweichen von der in Deutsch­land allgemein üblichen diskreten Über­wa­chung. Meines Erachtens werden oftmals die psy­cho­lo­gi­schen Aspekte fehl­in­ter­pre­tiert oder einfach übersehen und das Kun­den­ver­hal­ten falsch vor­aus­ge­se­hen. Technisch und pla­ne­risch ist die rea­li­sier­te Vi­deo­über­wa­chung einfach. Aufwendig waren dagegen die Analyse und die daraus gezogenen Schluß­fol­ge­run­gen bis zur Stand­ort­be­stim­mung der Kameras. Schon un­schein­ba­re Ab­wei­chun­gen bei der Ka­me­r­a­po­si­tio­nie­rung können den Prä­ven­ti­ons­as­pekt nach­hal­tig be­ein­träch­ti­gen. Auch unter wirt­schaft­li­chen Aspekten ist dieses Konzept in­ter­es­sant. Kriterien sind der doppelte Nutzen für den Auf­trag­ge­ber: er­heb­li­che Mi­ni­mie­rung der Verluste mit durch­schnitt­lich mehr als 100% in einer In­ven­tur­pe­rio­de und die Mög­lich­keit der Re­du­zie­rung der Detektive. Ein Ne­ben­ef­fekt ist, daß dort, wo keine Re­du­zie­rung der Verluste auftritt, Per­so­nal­dieb­stahl als eine mögliche Ursache zumindest geprüft werden muß, da bisher immer spürbare Ver­än­de­run­gen fest­zu­stel­len waren. Zentraler Punkt bei diesem Konzept ist für mich der Aspekt der Ab­schre­ckung, weshalb Schutz­kon­zep­te, die auf De­tek­ti­ven beruhen, am Thema vor­bei­ge­hen. Es kann im Sinne aller Be­tei­lig­ten nicht das Ziel sein, Täter zu fassen, sondern Straf­ta­ten zu ver­hin­dern. Ich denke auch, daß einfache Lösungen, die auf einer soliden Analyse der Ge­fähr­dungs­si­tua­ti­on beruhen, in Zukunft immer mehr gefragt werden. Ein Beispiel hierfür ist z.B. der Spiel­hal­len­be­reich, wo man be­trei­ber­sei­tig stark an die Kosten denkt und jetzt die neue UVV Spiel­hal­len umsetzen muß.
  

Wie be­ur­tei­len Sie die UVV Spiel­hal­len hin­sicht­lich ihrer Wirk­sam­keit? Die UVV Spiel­hal­len ist in weiten Teilen ein sehr gutes und auch wichtiges Regelwerk. Sie läßt nur in be­stimm­ten zentralen Bereichen Schlupf­lö­cher, die in der Praxis zu einer sub­stan­zi­el­len Aus­höh­lung des Si­cher­heits­ge­dan­kens führen könnten. Hier scheint es, als seien Kos­ten­as­pek­te in starkem Maße be­rück­sich­tigt worden. So hat z.B. die Aussage, daß die UVV mit einer Kamera erfüllt ist, mit der Situation in der Praxis wenig zu tun. In un­über­sicht­li­chen Spiel­hal­len, in denen jeder Automat quasi ein Geld­au­to­mat mit allen Problemen der Ver- und Ent­sor­gung ist, bietet eine Kamera wenig Si­cher­heit.
 

 Wie sehen Sie die grund­sätz­li­che Ent­wick­lung des Si­che­rungs­mark­tes in Deutsch­land und welche Trends machen Sie aus? Grund­sätz­lich sind in Deutsch­land derzeit nur wenige In­no­va­tio­nen und positive Trends fest­zu­stel­len. Der in Deutsch­land tra­di­tio­nell mit­tel­stän­disch geprägte Si­cher­heits­markt ändert sich nur langsam, und auch größere Un­ter­neh­men scheinen Schwie­rig­kei­ten zu haben. Das ist si­cher­lich in ver­schie­de­nen Kern­seg­men­ten auf die nor­ma­ti­ven Re­ge­lun­gen im Tech­nik­be­reich zu­rück­zu­füh­ren, die nicht nur eine qua­li­täts­stei­gern­de Funktion haben, sondern den Markt immer noch sehr ab­schot­ten. Es ist in­ter­es­sant, wie z.B. in Osteuropa deutsche Standards bewertet und mit anderen west­eu­ro­päi­schen ver­gli­chen werden. Sie gelten mit Ausnahme des Brand­schut­zes nach wie vor als Qua­li­täts­merk­mal, al­ler­dings oft als zu re­strik­tiv und hin­der­lich für An­wen­dun­gen mit durch­schnitt­li­chen An­for­de­run­gen. Der Brand­schutz wird dagegen zunehmend sehr kritisch gesehen, weil er sich zu einseitig auf den baulichen Brand­schutz be­schränkt, der oft erst greift, wenn es schon brennt. Ich bin der Über­zeu­gung, daß der ost­eu­ro­päi­sche Standard auf diesem Gebiet hoher ist. Heute denkt man in Deutsch­land zwar darüber nach, aber viel geändert hat sich nicht. Nach wie vor gibt es zu viele Tote, die mög­li­cher­wei­se durch eine recht­zei­ti­ge Brand­mel­dung - ein Bereich, der in Deutsch­land nicht geregelt ist - noch leben könnten. Doch kommen wir zum Si­cher­heits­markt zurück. Ein weiterer Punkt ist, daß sich deutsche Un­ter­neh­men nur langsam auf Markt­ver­än­de­run­gen ein­stel­len. Man hat vielfach den Eindruck, daß sie immer noch sehr geruhsam und insgesamt über­teu­ert pro­du­zie­ren und arbeiten. Ausdruck sind vor allem Kunden- und Ser­vice-Un­freund­lich­keit. Sie glauben gar nicht, in wie vielen Un­ter­neh­men in der Ur­laubs­zeit kein kom­pe­ten­ter An­sprech­part­ner zu erreichen ist, freitags ab 11 .00 Uhr die An­ruf­be­ant­wor­ter die Herr­schaft über­neh­men und die Tischzeit heilig ist. In dieser Zeit schließen andere Un­ter­neh­men aber Verträge ab. Dazu kommt, daß sich in Deutsch­land gerade im Auf­trags­ver­ga­be­be­reich Struk­tu­ren ent­wi­ckelt haben, die die Un­ter­neh­men un­fle­xi­bel machen. Für einige Un­ter­neh­men sind die tra­di­tio­nell geprägten Ent­schei­dun­gen öf­f­ent­li­cher Auf­trag­ge­ber über­le­bens­not­wen­dig. Und hier wird es Probleme geben, denn not­wen­di­ge Än­de­run­gen im Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis stehen meines Erachtens an. Die Si­che­rungs­tech­nik hat zuerst eine In­for­ma­ti­ons- und Schutz­funk­ti­on zu erfüllen. Sie muß sich zunehmend in Haus­tech­nik­sys­te­me in­te­grie­ren. Unter diesen Ge­sichts­punk­ten sind Be­schrän­kun­gen auf das We­sent­li­che ebenso er­for­der­lich wie Be­die­ner­freund­lich­keit und Si­tua­ti­ons­an­ge­mes­sen­heit. Deutsche Technik leistet sehr viel, nur wird selten alles gebraucht. Dafür kostet jede Er­wei­te­rung zu­sätz­lich. Hier zeigen aus­län­di­sche Her­stel­ler deutlich mehr Fle­xi­bi­li­tät. Ebenso wie sich die Si­che­rungs­tech­nik mit der Haus­tech­nik verbindet, nehmen die Funk­tio­nen der per­so­nel­len Dienst­leis­tun­gen im Be­wa­chungs­be­reich zu. Dazu gehört auch die Über­wa­chung, In­spek­ti­on und Wartung in­te­gra­ler Systeme, und das stellt höhere An­for­de­run­gen als bisher die Kontrolle von Alarm­zen­tra­len. Diesen An­for­de­run­gen genügen viele Be­wa­chungs­kräf­te nicht, und die un­ter­ta­rif­lich Be­zah­lun­gen sind dabei nicht för­der­lich. Moderne Si­cher­heits­sys­te­me benötigen qua­li­fi­zier­tes Personal, und das muß an­ge­mes­sen entlohnt werden. Es ist wichtig, daß sich die Un­ter­neh­men diesen Aufgaben stellen und sowohl in der Breite wie auch in der fach­li­chen Tiefe be­darfs­ge­rech­te Dienst­leis­tun­gen anbieten. Hier müssen viele Un­ter­neh­men noch umdenken auch vor dem Hin­ter­grund, daß aus­län­di­sche Un­ter­neh­men dies bereits rea­li­sie­ren und auf dem Sprung sind. Grund­sätz­lich muß sich der deutsche Markt in allen Bereichen noch besser auf die Kun­den­an­for­de­run­gen ein­stel­len, um nicht im Wett­be­werb mit aus­län­di­schen Un­ter­neh­men, die si­cher­lich auch in Deutsch­land aktiv werden, ins Hin­ter­tref­fen zu geraten.

  

Eines Ihrer zentralen Ak­ti­ons­fel­der ist Osteuropa. Welche Ent­wick­lung durch­läuft hier das Si­cher­heits­we­sen und welche Per­spek­ti­ven zeichnen sich ab? In Osteuropa ist eine kon­se­quen­te­re Trennung in per­so­nel­le Dienst­leis­tun­gen, Errichter und Her­stel­ler fest­zu­stel­len. Der Markt für Be­wa­chungs­un­ter­neh­men, Per­so­nen­schut­zes und Detektive ist gesättigt. Hier sollte in den nächsten Jahren sicher eine Selektion erfolgen, weil sich markt­wirt­schaft­li­che Grund­sät­ze langsam durch­set­zen. Alte Kontakte und Be­zie­hun­gen haben entweder diese Richtung genommen und sich ma­ni­fes­tiert oder sie werden nicht mehr aus­rei­chen. Es do­mi­nie­ren ehemalige An­ge­hö­ri­ge von Miliz, Armee und Si­cher­heits­diens­ten, die gut aus­ge­bil­det und aus­ge­rüs­tet sind. Dieser Markt ist wei­test­ge­hend ab­ge­schot­tet, aus­län­di­sche Anbieter haben es ohne Partner schwer und ziehen sich meist nach kurzer Zeit aus dem Markt zurück. Parallel zur Pri­vat­wirt­schaft exis­tie­ren staat­li­che Struk­tu­ren, zum Teil pri­va­ti­siert oder schein­pri­va­ti­siert, die die Leis­tun­gen von Alarm­auf­schalt­zen­tra­len, Bewachung und Funkwagen anbieten. Hier handelt es sich um die Reste einer die gesamte ehemalige So­wjet­uni­on um­fas­sen­den Si­cher­heits­struk­tur ähnlich einer "Wach­po­li­zei". Part­ner­schaf­ten mit aus­län­di­schen Un­ter­neh­men wurden bereits er­folg­reich ein­ge­gan­gen, al­ler­dings ohne deutsche Be­tei­li­gung. Diese Part­ner­schaf­ten sind aber der Zugang zu öf­f­ent­li­chen Auftragen. Verstärkt werden im Zuge der Kon­ver­si­on russische Un­ter­neh­men als ernst zu nehmende Errichter von Si­cher­heits­tech­nik tätig. Ihre Systeme werden immer besser, die Bus-Leit­sys­te­me für Brand­mel­de­tech­nik sind bereits von den sehr kri­ti­schen Feu­er­weh­ren zu­ge­las­sen. Damit liegen z.B. hier die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für in­no­va­ti­ve Haus-Bus-Steue­run­gen vor,
die uns in Deutsch­land noch fehlen. Wenn diese Grenze beseitigt ist, muß man mit ernst­haf­ter Kon­kur­renz auch in der EU rechnen. Her­stel­ler­sei­tig lösen sich ost­eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men langsam aus den alten plan­wirt­schaft­li­chen Struk­tu­ren und zeichnen sich unter dem Strich durch schnelle, in­no­va­ti­ve und flexible Re­ak­tio­nen auf den Markt aus.
  

Wie sind die Per­spek­ti­ven für deutsche Un­ter­neh­men? Die Per­spek­ti­ven sind aufgrund der Markt­ge­pflo­gen­hei­ten in Osteuropa nicht gut. So müssen z.B. Lager bei den Er­rich­tern vor­fi­nan­ziert werden, die dann mit an­ge­paß­ten Preisen gegen russische, is­rae­li­sche und ka­na­di­sche Bil­lig­tech­no­lo­gie bestehen müssen. Vor diesem Hin­ter­grund hat deutsche Technik nur in einzelnen Projekten, wenn es um spezielle Lösungen geht, eine Chance. Der große Markt ist den meisten deutschen Un­ter­neh­men bisher ver­schlos­sen. Dem grund­sätz­lich guten Ruf deutscher Un­ter­neh­men hat darüber hinaus die Tatsache, daß sich ver­schie­de­ne Un­ter­neh­men vor Ablauf von Ga­ran­tie­zei­ten aus diesem Markt zu­rück­ge­zo­gen haben, geschadet. Chancen bestehen für aus­län­di­sche Un­ter­neh­men vor allem im Handels- und Er­rich­ter­be­reich. Dabei ist zu beachten, daß ein aus­län­di­sches Un­ter­neh­men nicht so einfach in Osteuropa tätig werden kann, es müssen die Li­zenz­be­stim­mun­gen ein­ge­hal­ten werden. Natürlich gibt es Zwi­schen­lo­sun­gen, i.d.R. für ein bis zwei Projekte, aber je mehr man sich auf Schein­lö­sun­gen einläßt, desto er­preß­ba­rer wird man.
  

Eines Ihrer Projekte ist derzeit das Tran­sit­la­ger in Lettland. Bitte be­schrei­ben Sie dieses Projekt . Dieses Projekt dient dem sicheren Transport von Waren jeder Art nach Russland und die anderen Staaten der ehe­ma­li­gen GUS - außer in Kri­sen­ge­bie­te - über das Baltikum. In den letzten Jahren sind einige Tran­sit­la­ger in Lettland im Wett­be­werb zu Hamburg, St. Pe­ters­burg, Finnland und Litauen ent­stan­den. Lettland ist kos­ten­güns­ti­ger und hat eine sehr gute Ver­kehrs­an­bin­dung nach Rußland. Unser Angebot geht über die sichere Ein­la­ge­rung der Waren weit hinaus, umfaßt alle Dienst­leis­tun­gen im Lager-, Trans­port- und Buch­hal­tungs­be­reich sowie die Ab­si­che­rung des Trans­por­tes mit Be­glei­tung durch Polizei, Miliz und private Si­cher­heits­diens­te. An­ge­sichts der Bedrohung der­ar­ti­ger Trans­por­te durch die Or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät in einigen rus­si­schen Häfen und auf der Straße bietet die Dienst­leis­tung eine prak­ti­ka­ble Per­spek­ti­ve. Bisher waren alle Trans­por­te ohne Verlust, die Grenz­pas­sa­gen dauerten unter zwei Stunden.
 

Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Holger Best.