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Dr. Lutz Viëtor in: "CD Si­cher­heits-Ma­nage­ment" Nr. 6 / 2001

Augen zu und durch: Alles Euro, oder was ? 

Ob Banken und andere be­tei­lig­te In­sti­tu­tio­nen optimal auf die Eu­ro-Um­tausch-Kri­mi­na­li­tät vor­be­rei­tet sind?

Seit dem 1. September ist der Euro auf Europas Straßen unterwegs. Für Deutsch­land, ja ganz Europa ist dies die größte lo­gis­ti­sche Her­aus­for­de­rung in ihrer Ge­schich­te. Die Frage ist nur, wer auf diesem steinigen Weg auf der Strecke bleibt, wer mit Blessuren überlebt, wer alles ohne Probleme bewältigt und wer sogar davon pro­fi­tiert. Außer den Umrüstern der Geld-, Spiel- und Wa­ren­au­to­ma­ten gibt es noch andere ge­werb­li­che Nutz­nie­ßer - und ganz sicher auch kri­mi­nel­le.

Behält nun Staats­se­kre­tär Claus Henning Schapper vom Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um recht, wenn er laut "Sin­del­fin­ger, Böblinger Zeitung" (vom 18.06.2001) erklärt, dass niemand ein Chaos fürchten muss, die Polizei vor­be­rei­tet ist, keine ver­mehr­ten Überfälle auf Geld­trans­por­te und Banken zu erwarten sind und das Wich­tigs­te jetzt in der Umsetzung eines Si­cher­heits­kon­zep­tes besteht? Oder treffen die Vor­aus­sa­gen der Zweifler zu, die mit stark ver­mehr­ten kri­mi­nel­len Ak­ti­vi­tä­ten sowie er­heb­li­chen tech­ni­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Problemen rechnen?

Die aktuelle Ent­wick­lung, ins­be­son­de­re viele neu ge­fer­tig­te "Blüten", brutalere Überfälle auf Geld­trans­por­ter, Be­trü­ge­rei­en mit riskanten Geld­an­la­gen unter Aus­nut­zung der Angst vor dem EURO und das Aufdecken neuer möglicher Schwach­stel­len, sollte al­ler­dings zur Anpassung der genannten Kon­zep­ti­on ver­an­las­sen. Ent­schei­dend ist letzt­end­lich nicht, ob eine Si­che­rungs­kon­zep­ti­on umgesetzt wurde, sondern was die Umsetzung praktisch bewirkt hat. Vorläufig sind wichtige Prozesse der Eu­ro-Ein­füh­rung, wie der Druck der Banknoten und die Prägung der Münzen, ihre zentrale Lagerung und die erste Ver­tei­lung in zentrale Zwi­schen­la­ger, noch in öf­f­ent­li­cher Hand und relativ gut ab­ge­si­chert. 
Al­ler­dings ist es völlig un­ver­ständ­lich, wenn Insider in der Berliner Zeitung (27.05.2001) die Ein­satz­plä­ne des BKA und der Bun­des­bank of­fen­ba­ren. Es ist sicher für die Or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät nützlich gewesen, die Stärke der Pan­zer­plat­ten eines Son­der­schutz­fahr­zeu­ges offenbart zu bekommen - samt Hinweise, wie die Panzerung zu über­win­den ist.

Wo die Or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät ihre DM tauscht, weiß heute ei­gent­lich keiner so recht, es kann überall in der Euro-Zone erfolgen und wird in der Mehrzahl ohnehin bereits gut vor­be­rei­tet über die Bank­kon­ten vor­ge­nom­men. Ebenso können es aber auch ge­fälsch­te Lire oder andere leichter zu fäl­schen­de Währungen sein - und am Ende ist alles Euro. Ein Realist sollte damit rechnen, dass wir diesen Prozess nicht ohne Blessuren be­wäl­ti­gen. Der Umtausch ist jedoch eine einmalige Chance, die sich die Or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät nicht entgehen lassen wird.

Darüber hinaus gibt es An­halts­punk­te, dass auch ei­gent­lich seriöse Un­ter­neh­men diesen Umtausch als ihre Chance ansehen, auf einfache Art und Weise Zu­satz­pro­fi­te zu erlangen. Das betrifft nicht nur dubiose Gebühren, die Nutzung der Rundung zwischen Euro und D-Mark und anderen eu­ro­päi­schen Währungen, sondern auch die un­mit­tel­ba­ren nötigen und unnötigen Dienst­leis­tun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Umtausch. Erwähnt sei nur die Umrüstung der vielen Automaten, die mit Münzen arbeiten.

Die Probleme mit den Geld­trans­por­ter

Auf den Transport des Euro bereiten sich die Geld­trans­port-Un­ter­neh­men in ganz Europa vor. Aus vielen Ländern kommen Anfragen nach ge­brauch­ten Fahr­zeu­gen. Dabei spielt weniger der Zustand und der Si­cher­heits­stan­dard eine Rolle als mehr der Preis und die be­schränk­te Nutzung. Diese Fahrzeuge müssen Mitte des nächsten Jahres wieder ab­ge­sto­ßen werden und es ist jetzt bereits sichtbar, dass sich dann keine Käufer mehr finden werden. 
Die in Deutsch­land zur Verfügung stehenden Geld­trans­port­fahr­zeu­ge für den Mas­sen­trans­port - aus­ge­nom­men die Fahrzeuge der Bun­des­bank und der Lan­des­zen­tral­ban­ken - sind in der Mehrzahl nur teil­ge­pan­zert und haben nur den Si­cher­heits­stan­dard 2 nach EN. Damit halten sie im Fah­rer­be­reich ge­wöhn­lich nur leichten Hand­feu­er­waf­fen stand. Dieser Standard bietet aber wohl kaum Schutz gegen die derzeit in Osteuropa und auch in Deutsch­land bereits von kleinen Banditen genutzten Pistolen, Ma­schi­nen­pis­to­len und Sturm­ge­weh­re rus­si­scher bzw. so­wje­ti­scher Herkunft. Der Überfall auf ein Geld­trans­port­fahr­zeug im März 1999 in Berlin ver­deut­licht bei­spiel­haft diesen Zustand. Der An­ge­stell­te, der sich im Fahrzeug in einer schein­ba­ren Si­cher­heit wähnte, wurde durch die Fahr­zeug­hül­le an­ge­schos­sen.

Die in Deutsch­land ein­ge­setz­ten Fahrzeuge ent­spre­chen in der Regel dem hier gültigen Si­cher­heits­stan­dard. Nur ent­spricht dieser nicht mehr ganz der Realität hin­sicht­lich der konkreten Ge­fähr­dung und dem zunehmend bru­ta­le­ren Vorgehen der Angreifer. Al­ler­dings muss man fest­stel­len, dass die ver­ant­wort­li­chen Be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten of­fen­sicht­lich auch zu wenig Interesse an Ver­än­de­run­gen haben, sonst hätten sie bei der relativ neuen Un­fall­ver­hü­tungs­vor­schrift (UVV) Spiel­hal­len diese Chance besser genutzt (siehe § 21, Abs. 5: Die Geld­trans­por­te können danach praktisch in un­be­grenz­ter Höhe durch un­auf­fäl­li­ge Personen in bür­ger­li­cher Kleidung und mit einem se­ri­en­mä­ßi­gen, nicht ge­kenn­zeich­ne­ten Fahrzeug erfolgen.). 

Nur wenige Un­ter­neh­men in­ves­tie­ren mehr, als unbedingt nötig ist, weil dazu die Mittel fehlen. Dazu kommen Stun­den­sät­ze für die Geld­trans­por­teu­re, die oft unter dem Tariflohn für Rei­ni­gungs­hilfs­kräf­te liegen. Dadurch wird eine gewisse An­fäl­lig­keit für kri­mi­nel­le Angebote be­güns­tigt. Diese Pro­ble­ma­tik ist nicht neu, existiert un­ab­hän­gig von der EU­RO-Ein­füh­rung. Viel­leicht geht alles gut, hoffen viele. Wer heute private Geld­trans­port­un­ter­neh­men be­schäf­tigt, sollte sich jedoch nicht darauf verlassen und voll­ge­pan­zer­te Fahrzeuge mit Schutz gegen russische 9mm-Waf­fen sowie aus­ge­bil­de­tes Personal verlangen - und dieses auch an­ge­mes­sen bezahlen.

Preis­kampf

Im deutschen Si­cher­heits­ge­wer­be vollzieht sich ein sehr harter Kampf und die Markt­be­rei­ni­gung erfolgt ge­gen­wär­tig fast aus­schließ­lich über den Preis. Selbst die nach Paragraph 34a Ge­wer­be­ord­nung in Deutsch­land verlangte Un­ter­wei­sung von 3 Tagen, die für die Ausübung eines Si­cher­heits­be­ru­fes als einzige ge­for­der­te Qua­li­fi­zie­rungs­grund­la­ge als un­zu­rei­chend ein­ge­schätzt werden muss, wird ge­gen­wär­tig von Si­cher­heits­un­ter­neh­men noch un­ter­lau­fen.

Diese im Be­wa­chungs­ge­wer­be seit langem bekannte Situation schließt den Geld- und Wert­trans­port leider nicht aus. Auch hier vollzieht sich der Wett­be­werb wei­test­ge­hend über den Preis. Im Zu­sam­men­hang mit einem Vorfall mit Schuss­waf­fen­ein­satz hat ein deutsches Gericht jedoch eindeutig fest­ge­stellt, dass gerade beim Einsatz be­waff­ne­ten Personals ein Ein­stel­lungs­ge­spräch, ein ein­tra­gungs­frei­es Füh­rungs­zeug­nis und die 3-Ta­ge-Un­ter­wei­sung nicht aus­rei­chen (siehe CD 4/01).

Es ist somit für die ost- und süd­ost­eu­ro­päi­sche Or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät ge­gen­wär­tig relativ leicht, ihre Leute in das deutsche Si­cher­heits­ge­wer­be, ein­schließ­lich des Geld- und Wert­trans­por­tes, ein­zu­schleu­sen oder selbst derartige Un­ter­neh­men zu gründen. Mehrfach fun­gier­ten in der Ver­gan­gen­heit bereits An­ge­stell­te als Mittäter oder Tippgeber bei Über­fäl­len oder Be­trugs­hand­lun­gen. In wieweit heute von einer tickenden Zeitbombe ge­spro­chen werden muss, kann nicht beurteilt werden. Hier ist dem BKA noch zu folgen, nach dem die Stei­ge­rung und der modus operanti bei den Über­fäl­len keine Eu­ro-Spe­zi­fik erkennen lassen - al­ler­dings wurde auch noch nicht um­ge­tauscht. Und die Ver­tei­lung der Scheine und Münzen bis zu den End­stel­len steht noch bevor.

Ban­ken­si­cher­heit

Die per­spek­ti­vi­sche Grund­kon­zep­ti­on der Ban­ken­si­cher­heit in Deutsch­land wird von mehreren Faktoren mit­be­stimmt: 
· kon­ti­nu­ier­li­chen Abnahme des Bargeldes und damit Zunahme des bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehrs 
· Ob­jekt­si­cher­heit der Banken auf hohem, aber klar be­grenz­tem Niveau.
Ein größerer Überfall lohnt somit nicht, nur der kleine Gauner mit be­schei­de­nen Wünschen versucht es in Deutsch­land auf diese Art.

Ein großes Problem bei der Sicherung von Kre­dit­in­sti­tu­ten sind die baulichen Maßnahmen, besonders bei Neu- und Ausbauten. Es erfolgt ein Rückfluss des Bargeldes in den be­tei­lig­ten EU-Länder sowie, voll­kom­men un­kal­ku­lier­bar, aus dem Ausland. Parallel wird der Euro aus­ge­ge­ben. Das betrifft übrigens alle mit größeren Bar­geld­men­gen ope­rie­ren­de Un­ter­neh­men wie Handel und Verkehr. Es ist heute schon in vielen neuen Filialen von Banken unmöglich, einen kleinen Safe für Wert­pa­pie­re zu mieten, weil es überhaupt keinen Saferaum mehr gibt. 
Es entsteht ein zeitlich be­fris­te­ter, über den Si­che­rungs­mög­lich­kei­ten liegender Si­che­rungs­be­darf, der zwangs­läu­fig ein höheres Risiko bedingt. Wer heute nicht bereits zu­sätz­li­ches Be­wa­chungs­per­so­nal geordert hat, hat heute er­heb­li­che Probleme. Es sei nur erwähnt, dass seit rund einem Jahr die Anfragen aus­län­di­scher Mitbürger nach Aus­bil­dun­gen in Deutsch­land und Stel­len­ver­mitt­lung im Si­cher­heits­ge­wer­be sichtbar zunehmen.

Ein weiteres Problem betrifft das allgemein un­ter­stell­te hohe Niveau der tech­ni­schen Ab­si­che­rung aller Banken. Bei der Übernahme von Filialen einer deutschen Bank wurden intern er­heb­li­che Si­cher­heits­män­gel fest­ge­stellt: Über 20 Prozent der vor­ge­schrie­be­nen Fo­to­ka­me­ras zur Über­fall­do­ku­men­ta­ti­on haben Störungen. Er­satz­tei­le für die alten Fo­to­ap­pa­ra­te gemäß UVV Kassen sind nicht mehr zu bekommen. Aufgrund der per­spek­ti­visch geplanten Um­stel­lung auf moderne Vi­deo-Über­wa­chungs­sys­te­me lohnen sich kos­ten­in­ten­si­ve Re­pa­ra­tu­ren nicht mehr. Für eine vor­ge­zo­ge­ne Umrüstung auf moderne Vi­deo­sys­te­me ist es jedoch fast zu spät. Al­ler­dings - wer weiß schon, welche Kamera nun funk­tio­niert und welche nicht? Also, nur Mut und durch. Natürlich ist das jetzt ein äußerst kom­pli­zier­tes Problem, wer prüft glaubhaft diese vor Jahren in­stal­lier­ten Kameras. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass diese Situation auch der Or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät bekannt ist. Bereits 1995/96 wurden in Deutsch­land verstärkt kleinere Pri­vat­ban­ken mit Lizenz durch ost­eu­ro­päi­sche In­ves­to­ren zum Kauf gesucht und gefunden.

Ein drittes Problem betrifft die Wirk­sam­keit der Überfall- und Ein­bruch­mel­de­an­la­gen bei zeit­wei­li­ger Nutzung von Aus­weich-La­ger­stät­ten für Geld oder im Austausch für die Be­leg­be­ar­bei­tung. Auf Grund per­so­nel­ler Über­las­tung können In­ter­ven­ti­ons­kräf­te bei Alar­m­aus­lö­sung in manchen Fällen nicht schnell genug reagieren. Bei einer Be­gut­ach­tung mit dem Ziel der Ver­trags­kün­di­gung dauerte kürzlich die Anfahrt eines durch au­to­ma­ti­sier­ten Alarm gerufenen Funk­wa­gens in Berlin über eine Stunde. Die Dichte der Funkwagen entsprach einfach nicht den Be­dürf­nis­sen. Da nützt auch keine zer­ti­fi­zier­te Notruf- und Ser­vice­leit­stel­le, es funk­tio­nier­te ja alles, nur war keiner frei oder in der Nähe. Das sind die Probleme des Alltags, die sich al­ler­dings auch erheblich mi­ni­mie­ren lassen, weil vieles be­re­chen­bar ist, so man es ernsthaft möchte und wirt­schaft­lich kann. 
Es wird nach­drück­lich empfohlen, zumindest zeitlich befristet die sofortige Alar­mie­rung der Polizei mit den Alarm­auf­schalt­zen­tra­len zu ver­ein­ba­ren. Die Funkwagen des privaten Si­cher­heits­ge­wer­bes sollten nur als Nach­si­che­rung ver­pflich­tet werden.

Kri­mi­nel­le Aspekte

Bisher war es für die ost­eu­ro­päi­sche Or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät wenig sinnvoll, eine Bank in Deutsch­land zu über­fal­len. Die Mehrzahl der deutschen Bank­fi­lia­len hat nicht sehr viel Bargeld, der Bar­geld­be­stand ist technisch gut gesichert und die Anfahrt der Polizei ist relativ kurz. Der Schwer­punkt der ost­eu­ro­päi­schen OK lag schon bisher ganz woanders, nämlich in
· der Gründung von Schein­un­ter­neh­men
. In­fil­tra­ti­ons­ver­su­chen
· Über­fäl­len auf Geld- und Wert­trans­por­te sowie Geldboten
· Betrug und Geld­wä­sche, unter Einsatz von Mit­tels­män­nern und eigenen Firmen.

Der Eu­ro-Um­tausch bietet besonders für die Geld­wä­sche - in Einheit mit Steu­er­de­lik­ten und anderen Straf­ta­ten - ein günstiges Umfeld, zumal sich zur Aus­füh­rung und Ver­schleie­rung gleich mehrere west­eu­ro­päi­sche Staaten und der Balkan dazu miss­brau­chen lassen. Der Umtausch wird übrigens laufende kri­mi­nel­le Prozesse - wie die Geld­wä­sche über Spiel­hal­len, Schutz­geld­er­pres­sun­gen, Geld­wä­sche unter Nutzung von Fir­men­grün­dun­gen und Im­mo­bi­li­en sowie Ak­ti­en­in­ves­ti­tio­nen, nicht behindern, sondern eher mo­di­fi­zie­ren.

Fai­rer­wei­se muss man fest­stel­len, dass es außerhalb Deutsch­lands und der EU sehr viele Menschen geben wird, die bereits jetzt als partielle Verlierer des Umtauschs fest­ste­hen. Es sind die vielen Ost­eu­ro­pä­er, die die D-Mark als Zweit­wäh­rung und Ren­ten­re­ser­ve horten. Die vielen Menschen in den ver­steck­ten Winkeln unserer Erde, die D-Mark ebenfalls als Not­gro­schen lagern. Und nicht zu vergessen die vielen Un­ter­neh­men, die mit der D-Mark als Zweit- oder Schwar­zwäh­rung ihr Schicksal verbunden haben. Zumindest bei den Letzt­ge­nann­ten könnte man scha­den­froh reagieren. 
Aber es ist nicht die Or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät, die dabei auf der Strecke bleibt, sondern der Klein­un­ter­neh­mer und Mit­tel­ständ­ler in Ost- und Südeuropa, der zwar rechts­wid­rig, aber nicht anders, als fast alle in seinem Land, um zu überleben, mit Schwarz­geld arbeitet. Es ist eine Illusion deutscher Beamter, dass die ost­eu­ro­päi­schen Re­gie­run­gen, Zoll und Fi­nanz­in­spek­tio­nen begierig auf die Auf­de­ckung von Falsch- und Schwarz­geld-Ak­tio­nen im Zu­sam­men­hang mit dem Umtausch warten. Die Falsch­geld-Kreis­läu­fe sind schon lange bekannt. Viel zu eng ist oft ihr Schicksal mit dem Funk­tio­nie­ren dieses Systems verbunden.

So weit diesen po­ten­ti­el­len Opfern die Kon­se­quen­zen bereits bewusst sind, suchen sie alle zuerst nach legalen und dann illegalen Wegen und (Aus-)Wegen. Die Angebote, be­trächt­li­che Summen gegen "Provision" in den Um­tausch­pro­zess in Deutsch­land ein­zu­füh­ren und Schein­ver­trä­ge ab­zu­schlie­ßen, liegen deutschen Un­ter­neh­men sowie Pri­vat­per­so­nen, die seit Jahren in Osteuropa tätig sind, sicher bereits vor. 
Der Umtausch von Schwarz­geld, verbunden mit der Geld­wä­sche, ist somit für viele ost- und süd­eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men eine Exis­tenz­fra­ge und wird daher mit hoher kri­mi­nel­ler Energie vor­be­rei­tet und aus­ge­führt werden. In der Not wird man auch auf Angebote mafioser Struk­tu­ren zu­rück­grei­fen. Ob die zur Auf­de­ckung in­stal­lier­ten Me­cha­nis­men im Zeitraum der Über­las­tung der Banken, Ver­si­che­run­gen sowie Treu­hän­der aus­rei­chen, bleibt ab­zu­war­ten. 
Es ist auch ein Un­ter­schied in der Men­ta­li­tät zu beachten: In der Mehrzahl kann ein deutsches Un­ter­neh­men oder der Un­ter­neh­mer ebenso wie eta­blier­te Pri­vat­per­so­nen nach sorg­fäl­ti­ger Aus­wer­tung der Daten auch noch in einigen Jahren zur Ver­ant­wor­tung gezogen werden, so wie dies nach dem Umtausch der DDR-Mark zumindest versucht wurde. Der ost­eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­mer denkt, plant und handelt in we­sent­lich kürzeren Zeit­ab­läu­fen und hat mehr Mög­lich­kei­ten der Ver­schleie­rung außerhalb der EU.

Derzeit wird Falsch­geld in größeren Mengen auf den EU-Markt geworfen. Es handelt sich größ­ten­teils um Reserven, und nach letzten Er­kennt­nis­sen auch um Neu­an­fer­ti­gun­gen der Geld­fäl­scher, die, aufgrund des be­vor­ste­hen­den Wäh­rungs­wech­sels noch ein­ge­setzt werden, bevor sie wertlos werden. Hinzu kommen die Be­stand­tei­le des internen Kreis­lau­fes in Osteuropa. 
Wenn heute deutsche Experten vor einigen Fäl­schun­gen bildhaft den Hut ziehen, wird ver­ständ­lich, warum viele "Blüten" in Osteuropa nicht erkannt wurden und ein Ei­gen­le­ben ent­wi­ckel­ten. Das bestätigt die Annahme, dass die OK gewillt ist, alle Stufen des Eu­ro-Um­tauschs planmäßig aus­zu­nut­zen. So fertigt man heute noch neue D-Mark-Schei­ne und morgen den neuen Euro. Zum Umtausch des Falsch­gel­des werden zunehmend Kinder und Ju­gend­li­che aus ost- und süd­ost­eu­ro­päi­schen Staaten ein­ge­setzt. Sie tätigen kleine Einkäufe mit großen Scheinen. Die Täter sind min­der­jäh­rig und sind sich ihrer recht­lich­ten Stellung sehr wohl bewusst.

Wer heute in Osteuropa Geld für die Ren­ten­zeit zu­rück­legt, greift wohl eher zum US-Dollar. Seit den großen Ban­ken­kri­sen nach 1994 im Baltikum und Osteuropa bilden sowohl "kleine" und "große" Leute als auch Un­ter­neh­men aller Grö­ßen­ord­nun­gen illegale Rücklagen in DM oder US-Dollar. Die mafiosen Struk­tu­ren bereiten sich nicht nur auf einen Miss­brauch des Eu­ro-Um­tauschs in der Euro-Zone vor, sondern sie planen auch in den eigenen Ländern:
· den Umtausch in den Euro direkt oder über Banken- und Ver­si­che­rungs­pro­duk­te mit hohen Verlusten für die DM-Be­sit­zer, 
· den Umtausch der DM in den US-Dollar zu un­güns­ti­gen Be­din­gun­gen, weil keine Wahl möglich ist,
· den Verkauf dubioser Anlagen usw.

Es sei nur daran erinnert, dass die Vor­be­rei­tung auf den Miss­brauch der EU­RO-Ein­füh­rung ebenso lange läuft, wie die of­fi­zi­el­le Vor­be­rei­tung selbst. Absehbar wird dieser Prozess erweitert um die Ver­brei­tung von Eu­ro-Falsch­geld und die Aus­wei­tung der Geld­wä­sche. Aber es ist sehr ge­fähr­lich, sich der Or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät oder kri­mi­nel­len Un­ter­neh­men an­zu­die­nen.

Gehen wir zwar op­ti­mis­tisch, jedoch wachsam und mit einem gesunden Be­stand­teil Miss­trau­en an den be­vor­ste­hen­den Umtausch. Zur Korrektur der Probleme und Mängel ist sicher noch Zeit.

CD-Autor Dr. Lutz Viëtor ist Ge­schäfts­füh­ren­der Ge­sell­schaf­ter der ISG In­ter­na­tio­nal tätige SI­CHER­HEITS­GE­SELL­SCHAFT mbH, Berlin, und war mehrere Jahre Direktor von Si­cher­heits­un­ter­neh­men in Osteuropa. Seit über 10 Jahren ist er auch im Ausland tätig.